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Tagebuch einer Heilung

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Blick ins Buch

   

Vorwort

Viele Frauen kennen das: den regelmäßigen Besuch beim Frauenarzt und –meistens einmal jährlich- die sogenannte Krebsvorsorgeuntersuchung.

Normalerweise ist alles in Ordnung und Frau hört nichts von ihrem Arzt. Aber es kommt eben auch vor, daß der Arzt die Mitteilung macht, daß etwas nicht in Ordnung ist. Meist kriecht dann bei der betroffenen Frau Panik hoch. Vor allem deshalb, weil sie nicht weiß, was das eigentlich bedeutet: „Der Befund ist nicht in Ordnung“.

Mir ging es zunächst auch so. Als ich das erste Mal erfuhr, daß mein Krebsabstrich nicht in Ordnung ist, besorgte ich mir nach dem ersten Schock jede Menge Informationen. Aus dem Internet, aus Büchern und aus einer Broschüre des Frauen Gesundheits Zentrums Bremen. Titel: „Zell Veränderungen am Gebärmutterhals“.

Das Tagebuch, das Sie über diese Homepage beziehen können, macht da weiter, wo die Broschüre des FGZ aufhört. Es beschreibt meinen eigenen, sehr individuellen Weg der Heilung. Es ist das Buch, das zu lesen ich mir gewünscht hatte, als  mich der Schock der Krebsdiagnose traf.

Da ich ein solches Buch nicht gefunden habe, habe ich es selbst geschrieben. Ich hoffe, es gibt den betroffenen Frauen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht von der Angst ( der eigenen, aber vor allem auch der Umgebung) niederdrücken zu lassen.


  

Mittwoch, 26.Mai 2004

Heute um 18.30 Uhr schlug bei mir die Bombe ein. Ich ging ganz fröhlich durch die Schweizer Straße, war auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Kollegen, mit dem ich Projekte für die Zukunft planen wollte. Da klingelte mein handy und mein Frauenarzt war dran. Ich verstand ihn nicht besonders gut, der Straßenlärm übertönte das meiste, aber das wesentliche verstand ich. Mit dieser gewissen besorgten aber doch mutmachenwollenden Stimme, die für schwere Fälle vorgesehen ist, teilte er mir mit, daß mein Krebsabstrich leider besorgniserregend sei und ich mich möglichst sofort operieren lassen sollte. PAP IV. Krebsvorstufe zum Gebärmutterhalskrebs.

Ich war gerade an der Kreuzung Schweizer Straße/Hans Thoma Straße und lehnte an einer Hauswand, um nicht umzufallen. Meine Knie waren sehr weich, ich hatte das Gefühl als sei auf einmal Nebel aufgezogen an diesem warmen sonnigen Frühlingsabend. So ganz verstand ich das Ganze noch nicht, aber, daß etwas furchtbares passiert war, hatte mir mein Arzt ganz deutlich gemacht.

Wie in Trance ging ich zu dem Lokal, in dem ich mit meinem Kollegen verabredet war. Um 19 Uhr. Ich kam etwas zu früh, saß da und wartete und hatte im Kopf eine Leere, die ich von früher kannte. Als mein Vater gestorben war, ging es mir so, als mein letzter Freund mir eröffnete, daß er sich von mir trennt, hatte ich die gleiche Leere im Kopf. Gleichzeitig war ich sehr wach, nahm alles um mich besonders deutlich wahr, den Straßenlärm, die über dem Main untergehende Sonne, die Menschen, die vor dem Lokal flanierten oder hasteten.

Zum Glück verspätete sich der Kollege, so daß ich einen Vorwand hatte, um 19.15 Uhr zu gehen. Ich zahlte und ging nach Hause in mein Büro. Dort rief der Kollege an, kaum daß ich die Tür geöffnet hatte, entschuldigte sich und fragte, ob wir uns noch sehen könnten. Ich handelte eine halbe Stunde für mich aus und wir verabredeten uns für 20 Uhr im Lokal vor meinem Büro.

Ich rief  sofort meine Heilpraktikerin Jutta  an, bei der ich seit 2 Jahren in Behandlung war. Wegen dieser Krebsgeschichte. Denn ich hatte vor zwei Jahren schon einmal einen positiven Krebsabstrich, PAP IIId. In den letzten zwei Jahren habe ich diese Geschichte mal mehr mal weniger konsequent behandelt.  Mein Krebsabstrich schwankte von IIId zu II und wieder zu III. In den letzten 9 Monaten war er aber immer PAP II und damit unverdächtig. Allerdings waren Viren festgestellt worden, die als die Ursache für Zervikalkrebs gelten und somit war ich Risikopatientin.

Allerdings konnte ich mir nicht erklären, warum mein PAP Wert jetzt auf einmal IV war. Ich hatte doch die Viren von einer Heilerin in Österreich wegzaubern lassen und alle Tests mit dem Pendel zeigten an, daß keine Viren vorhanden waren. Leider hatte ich beim letzten Vorsorgetermin keinen Virentest machen lassen, so daß ich nicht weiß, ob die Dinger nun noch labormäßig nachweisbar waren oder nicht.

Jutta war da und wir vereinbarten einen Termin für den nächsten Tag um 8 Uhr in Bad Soden.

Dann rief ich noch meine Heilerin in Österreich an. Sie fiel aus allen Wolken und pendelte immer noch einen negativen Virenbefund, empfahl mir Vitamin B-Komplex zu nehmen. Ich mußte sie beruhigen, daß sie nichts falsch gemacht hat, sie war irgendwie schuldbewußt. Warum habe ich nicht verstanden, ich gab ihr keinerlei Schuld, warum und woran auch? Sie konnte schließlich nichts dafür. Geld hatte sie auch nicht genommen, also, was solls? Sie tat ihr bestes und ich glaube ja auch nach wie vor, daß die Viren weg sind, auch wenn mein Arzt sagt, das sei unmöglich. Naja, schaun mer mal.

Mit den beiden Anrufen war die halbe Stunde rumgegangen und ich ging zu der Verabredung mit meinem Kollegen.

Ich hatte ihn noch nie vorher gesehen, erkannte ihn aber sofort. Ein seriöser, sympathischer  Rechtsanwalt mit der Aura des Erfolgs um sich. Einer von den Typen, die ich immer beneidet und bewundert habe.

Wir setzten uns auf die Terrasse und erzählten ein wenig von unserem Werdegang. Er fragte ganz interessiert, warum ich den Großmandanten, von dem ich bis vor 4 Jahren hauptsächlich gelebt habe, verloren habe, denn er hatte Verbindungen zu der Geschäftsführung und wollte das Mandat gerne übernehmen.

Ich gab die offizielle Version zum besten: Das Mandat sei zu groß geworden und ich als Einzelanwältin konnte es nicht mehr bewältigen. Eine Lüge, aber glaubhaft, da jetzt 6 Anwälte die Arbeit machen, von der ich immer glaubte, sie unterfordere mich.

Dies ist ein Thema, das mich schon mein ganzes Leben begleitet: Ich fühlte mich immer unterfordert, glaubte immer, das was ich mache, sei nichts wert, ich müsse mehr leisten, um mein Einkommen zu verdienen.

Jetzt da ich das schreibe, merke ich, wie ich wütend werde, wütend und traurig darüber, wie wenig ich mich wertgeschätzt habe, wie lieblos ich mich behandelt habe. Wie wenig ich mich beschützt habe.

Zurück zu dem Abend: Der Typ gefiel mir und heimlich schielte ich zu seinem Ringfinger: Nichts, kein Ring. Der ist vielleicht noch zu haben, dachte ich und fing an zu balzen. Ob ich wohl auf dem Totenbett noch den Pfleger anmache? Mir ist wohl nicht zu helfen, dachte ich gleichzeitig und riß mich zusammen.

Nun gut, das Thema erledigte sich von selbst, denn er erzählte mir baldmöglich, daß er am nächsten Tag heiraten werde. Schade, dachte ich und konzentrierte mich wieder auf das Gespräch. Allerdings hatte ich das Gefühl, daß nur ein Teil von mir redete, der andere war immer noch in dieser Nebelwand von vor zwei Stunden.

Nach zwei Stunden trennten wir uns, er bedankte sich für den anregenden Abend und meine neuen Ideen, die ich ihm vermittelt hatte, und ich ging nach Hause.

Hier las ich noch einmal alles was ich zum Thema PAP Test  inzwischen gesammelt hatte. Viel war es eigentlich nicht, und alle Quellen sagten das gleiche: PAP IVa ist eine Krebsvorstufe, hier sind krebsverdächtige Zellen im Muttermund und es muß eine Konisation gemacht werden. Die Konisation ist eine kleine, völlig unproblematische OP, die ambulant gemacht werden kann oder mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt erledigt ist.

Alles kein Problem, eine kleine OP und schwupps, weg sind die bösen Zellen und die Viren und die Vergangenheit noch mit dazu. Heilungschance 100%.

Also, was stell ich mich so an?

Trotzdem stellte ich mich an, und wie. In dieser Nacht schlief ich nicht. Ich wollte sterben. Ich hatte das Gefühl, das Leben hat keinen Sinn, meine ganze Lebenssituation ist völlig verfahren, ich habe alles falsch gemacht. Da lieg ich nun mit 48 Jahren mit einem Beruf, der mir zwar Freude macht aber gerade mein Existenzminimum deckt, wenn ich Glück habe, seit drei Jahren ohne feste Beziehung aber mit wechselnden Liebhabern ,die mir die Krankheit eingebrockt haben, wie ich dachte, mit viel zu hohen Fixkosten, völlig vereinsamt und so drehte sich mein Selbstmitleid im Kreis.

Dabei sagte ich mir immer: Meine objektive Situation ist gar nicht so schwarz wie ich denke, die ganze Negativität spielt sich in meinem Kopf ab. Ich muß mein Denken ändern, meine Einstellung, es liegt nur daran.

Und das stimmt auch, nur wie ändert man seine Einstellung, wenn man ständig das Gefühl hat, ein Dolch ins Herz, das wärs, das wär die Lösung. Die ganze Nacht hatte ich dieses Gefühl, immer wieder, als ob ein Dolch in meiner Brust das Beste wäre, was mir passieren könnte.